[Rezension] Nina Blazon - Der dunkle Kuss der Sterne

grass-harp | Samstag, 15. November 2014 | / / / / |
Fantasy, YA - goodreads
eBook, 529 Seiten; cbt

"Der dunkle Kuss der Sterne" von Nina Blazon hat eins geschafft: Mich aus meiner zweimonatigen Leseunlust und Bücherflaute zu holen. Womit? Mit den typischen Blazon-Eigenschaften: Eine fremde, exotische Welt, die unserer doch gar nicht so unähnlich ist; mit leidenschaftlichen Figuren; mit einer Geschichte, die von Mut und Entscheidungen und Menschlichkeit handelt, und mit einer bunten, schmuckvollen Sprache, die all das noch magischer wirken lässt.
Der Wind traf mich wie eine sandige Faust, die mich zurück in die Stadt stoßen wollte. Stoff knatterte, ich musste mich mit meinem Ganzen Gewicht gegen diese Kraft stemmen. [...] Noch nie war mir der Himmel so groß und bedrohlich erschienen. Von den Dachterrassen hatte ich die Weite geliebt, jetzt erschreckte sie mich nur noch.

Typisch ist aber zum Glück nicht alles. Im Gegensatz zu Ascheherz und Faunblut erhascht man hier einen ganz anderen Blick auf diese seltsame magische, von Armut gezeichnete und doch an modernen Technologien reiche Welt. Andere magische Kreaturen werden vorgestellt, andere Landstriche beschrieben und neue Märchen gesponnen. Durch die Sprache hatte ich ein bisschen das Gefühl, nach Hause zu kommen, durch die Neuheiten aber gleichzeitig das Gefühl auf eine prächtige, ereignisreiche Reise zu gehen. Ganz besonders toll fand ich dabei die Passagen, die sich in der Wüste abspielen. Den trockenen, körnigen Wind und die sengende Hitze habe ich stets auf der Haut gespürt, während ich mit Canda fieberte. Canda, die mir anfangs mit ihrer Naivität und Arroganz furchtbar auf die Nerven ging. Dafür war es umso schöner und spannender, zu beobachten, wie sie sich langsam weiterentwickelt und Stück für Stück das Puzzle um sie herum zusammensetzt.

Ich habe es genossen, mit klopfendem Herzen die Seiten dieses Buchs "umzublättern" (so wie das auf einem Reader eben geht), zu knobeln und Vermutungen aufzustellen, sie mit einer Mischung aus Befriedigung und Schrecken bestätigt zu sehen oder zu verwerfen, während mein Kopfkino verrücktspielte. Schon allein dafür kann ich dieses Buch empfehlen - aber auch so eignet es sich wunderbar für ein faules Winterwochenende, wenn man im Kopf auf eine kleine aber mächtige Reise gehen und die Welt dort draußen vergessen will. Aber Achtung, bitte verschluckt euch nicht am sandigen Wüstenwind.

Kommentare:

  1. Und meine Ausgabe liegt natürlich daheim im Schrank, aber ich bin ja bald da ... Wobei ich vermutlich mit Faunblut und Ascheherz anfangen würde. Die Bücher können zwar in beliebiger Reihenfolge gelesen werden (oder?), aber ein bisschen Ordnung muss sein. :D
    Aber willkommen zurück im Lesenichttief! Ich hatte gerade auch einen glücklichen Griff und es könnte tatsächlich sein, dass ich diesen Monat zwei Bücher lese, das wär doch was. xD

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    1. Sie können auf jeden Fall in beliebiger Reihenfolge gelesen werden. Wobei ich glaube ich Ascheherz tatsächlich nach Faunblut lesen würde, dieses hier kannst du aber irgendwann einfach einbauen :D Viel Spaß, wenn du es dann liest!
      Danke :D Dir auch Willkommen zurück, hoffentlich kommt es tatsächlich dazu :D War Darren Shan dein glücklicher Griff oder ein anderes Buch?

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    2. Danke!
      Darren Shan war wie immer auch gut, aber es ist eher mein momentanes Buch: Prosperity von Alexis Hall. Ist eine viktorianische Steampunkwelt, in der es quasi auch Städte in der Luft gibt und dort treibt sich der Protagonist umher, ein charmanter Tunichtgut, der die Geschichte richtig salopp (à la "I will carpe the fucking diem") erzählt, weswegen ich auf jeder Seite mindestens einmal am Kichern bin. Gestern hab ich mich vor Lachen fast aus dem Bett gerollt - und ich hab erst ein Viertel geschafft. xD

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    3. Uhii das klingt ja mega gut, muss ich mir ganz dringend mal angucken :D Vor allem charmanter Tunichtgut reizt micht sehr ^^

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    4. Unbedingt! :D Der Schreibstil ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber es ist ja nicht so, als hätten wir damit keine Erfahrung. Ich bin mir aber sicher, dass du Piccadilly (so sein Name) mögen würdest. x)

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