[Rezension] Jennifer Benkau - Himmelsfern

captain cow | Donnerstag, 27. November 2014 | / / / |
Young Adult, Urban Fantasy - goodreads
eBook, 496 Seiten; script 5

Bei einer U-Bahn-Entgleisung entgeht Noa nur knapp dem Tod durch den Einsatz eines jungen Mannes. Kurze Zeit später verschwindet der Retter spurlos aus dem Krankenhaus – Noas beste Freundin schätzt ihn als Schutzengel ein, Noa hingegen ist vor allem neugierig und macht sich auf die Suche nach ihm. Außerdem ist da noch diese Stimme, die sie kurz vor dem Einsteigen in die U-Bahn gehört hat – könnte das mit dem Schutzengel also vielleicht doch stimmen?


“Himmelsfern” ist das zweite Buch, das ich von der Autorin gelesen habe. Im Gegensatz zu „Dark Canopy“ hat es mir gefallen. Das Tempo des Buchs war eindeutig Grund dafür, dass mich das Buch von Anfang an gefesselt und bei Laune gehalten hat. Es geht rasant los, überschlägt sich mehrfach vor Spannung und wird dann von quälerischen Durststrecken unterbrochen, die aber wunderbar passen, weil auch die Charaktere abwarten müssen. Also kein unnötiges Ausmerzen der Seitenzahl, alles hat hier seine richtige Länge und seine richtigen Schwerpunkte. Für mich war das Tempo mehr Grund zum Mitfiebern als die Figuren selbst. Nicht, dass ich sie nicht mochte – die Autorin hat mit ihnen absolut nichts falsch gemacht –, aber mir hat bei ihnen ein wenig Lebendigkeit gefehlt. Verschiedenste Details und Kleinigkeiten werden bekannt, die Autorin zeigt die Charaktereigenschaften mehr, als dass sie viel darüber redet, sodass man sich selbst einen Eindruck bilden kann. Ganz lebendig und menschlich wollten sie für mich dennoch nicht werden. Richtig gut fand ich aber, dass Noa eine starke Hauptfigur ist. Keine Kick-Ass-Heldin, die so hart ist, dass es einem fast unwahrscheinlich vorkommt; aber auch keine ätzend schwache Zuschauerin, die auf den Ritter in schillernder Rüstung wartet. Sondern einfach ein normales, starkes Mädchen, das ihr Schicksal in die eigenen Hände nimmt und sich wenig sagen lässt, aber auch Unsicherheiten hat.

Schwachpunkt des Buchs war für mich die Handlung. Altbekannte Leier in neuem Kleid. Ein hübsches, gut anzusehendes Kleid, zugegebenermaßen, aber das ändert nichts daran, das im Grunde genommen noch immer das gleiche drinsteckt. Schön fand ich allerdings die nachdenklichen, melancholischen und das-Leben-mit-all-seinen-Facetten-bejahenden Fäden, die dieses Kleid zusammengehalten haben, mit stets treffenden, mal poetischen und mal für ein 17-jähriges Mädchen stinknormalen Worten. Hut ab, die Mischung hat mir gefallen!

Kommentare:

  1. "Himmelsfern" war im letzten Jahr so eines meiner Highlights. Ich fand den Erzählstil umwerfend und wie du schon schreibst, sehr melancholisch und so toll aus dem Leben gegriffen.
    Auch Noa gefiel mir ungeheuer gut. Hier hat die Autorin ihre Prota mal einfach Mädchen sein lassen. Mit Schwächen und Stärken, und dabei halt sehr authentisch. :)

    Liebe Grüße

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    1. Jaaa, das stimmt, hat mir wirklich sehr gut gefallen und war sehr natürlich. Bin mal gespannt, wie "Marmorkuss" so ist, hoffentlich ähnlich gut.

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