[Rezension] Lauren Oliver - Panic

grass-harp | Mittwoch, 7. Mai 2014 | / / |
Contemporary YA - goodreads
Hardcover, 408 Seiten; Harper Collins

Ein kleiner Ort, irgendwo im Bundesstaat New York. Es ist Sommer, die Schule ist vorbei und in den Trailer Parks und leeren Straßen der öden Kleinstadt langweilen sich die Kiddies. Kein Wunder also, dass ein Spiel wie Panic so beliebt ist. Ein Spiel, in dem jeder Mitstreiter sein Leben riskiert und sich wiederholt seinen größten Ängsten stellen muss, um am Ende das große Geld zu machen.

Durch Heathers und Dodges Augen erlebt man Panic und die ganzen irren Verwicklungen, die durch das Spiel entstehen. Niemand weiß so richtig, wer sich Panic ausgedacht hat – geleitet wird das Spiel von zwei Juroren, die jedes Jahr aus dem Geheimen agieren. Und da das Spiel eigentlich illegal ist, ist Geheimniskrämerei vorprogrammiert. Hinzu kommt der große Gewinn und die vielen Gefahren – also genug Gründe für Streits, Allianzen und zerstörte Freundschaften.

Diese Problematik stellt Lauren Oliver ganz gut dar. Man ist sich bei vielen Figuren nicht so richtig sicher, was sie eigentlich im Schilde führen. Und bei denen, die man kennt, möchte man manchmal nur den Kopf schütteln und sie aus den wahnwitzigen Klauen dieses Spiels retten, damit sie nicht ihr Leben aufs Spiel setzen. Es gibt viele Konflikte, sich gegenseitig blockierende Ziele und manche werden immer skrupelloser. Gleichermaßen ist es aber unglaublich spannend zuzusehen, wie Heather und Dodge jedes Mal die Panik überwinden, die während der Runden des Spiels immer wieder aufkommt.

Die Spannung, mit den beiden zu fiebern, kam bei mir aber noch nicht gleich auf. Gerade zum Anfang des Romans ist es nicht ganz einfach, bei den Figuren durchzublicken, wer jetzt was für eine Vergangenheit hinter sich hat und wie die Verwandtschaft so ist. Durch die Erzählweise aus der dritten Person und die erst nach und nach kommenden Rückblicke blieben mir die Hauptfiguren auch lange Zeit fern. Und selbst wenn man sie nach den ersten hundert Seiten etwas besser kennt, so richtig nah habe ich mich ihnen trotzdem nicht gefühlt. Schade, denn besonders durch die Familienprobleme der beiden und den daraus folgenden Unsicherheiten hätte es da viel Potential gegeben. Bei den Nebenfiguren ist das ganze noch ein bisschen schlimmer – die kamen mir nämlich ziemlich platt vor und mehr wie Mittel zum Zweck. So als hätte die Autorin ihnen nur zwei bis drei wichtige Eigenschaften zugeschrieben, die die Geschichte ein bisschen voranbringen. Viel zu berechenbar und einfach.

Stilistisch fand ich besonders die Challenges wunderbar beschrieben. Da kam bei mir immer richtiger Nervenkitzel auf, ohne dass ich das Gefühl hatte, sie würden zu schnell abgehandelt werden. Herzklopfen war bei mir also auch vorprogrammiert. Die einzige Ausnahme ist da das Ende. Es wird so grandios vorbereitet, dass man vor Spannung geradezu die Seiten überfliegt. Und dann puff, innerhalb von drei Seiten einfach abgehandelt und vorbei. Wieso?! Diesen Höhepunkt hätte man noch so schön ausbauen können, stattdessen wirkt es, als hätte sich die Autorin das ganze total einfach gemacht. Gefolgt von ein paar kitschigen Sätzen, die die Message des Buchs zusammenfassen; als könnte der Leser sich das nicht selber überlegen. Wirklich schade.

Gerade das Ende hat mich nach „Panic“ eher enttäuscht zurückgelassen, auch wenn es wirklich kein schlechtes Buch ist. Voller Spannung, Nervenkitzel und Irrsinn ist es in jedem Fall – leider aber auch etwas oberflächlich dabei.

Kommentare:

  1. Hallo!
    Oh, klingt ja fast schon schade. Fand das Buch mal unter meinen Amazonempfehlungen und empfand es als ganz interessant, auch wenn ich es nicht gleich auf die Wunschliste setzte. Aber vielleicht gebe ich dem Buch mal eine Chance, sollte es mir günstig in die Hände fallen :) Kann ja ganz nett für Zwischendurch sein.

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    1. Ja, nett für Zwischendurch auf jeden Fall und es ist eben auch unterhaltsam und spannend. Man sollte nur nicht zu viel erwarten. Finde das deutsche Cover von Carlsen auch ganz cool und passend und nicht so nichtssagend wie das Amerikanische.

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  2. Wenn ein Ende so aprubt kommt, hat man meist das Gefühl der Autor wollte das Buch ganz schnell abschließen. Das ist immer schade.

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    1. Jaa. Als wäre ihm die Luft ausgegangen oder er wüsste nicht so richtig, wie man das jetzt angemessen beendet. Sehr enttäuschend :/

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  3. Arrggh... ich weiß jetzt nicht so richtig, was ich davon halten soll. Hab mich doch so drauf gefreut :(
    Dein Fazit lässt mich jetzt zwar etwas skeptisch zurück, aber ich werde es auf alle Fälle selbst versuchen, wenn die deutsche Version erscheint :)

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    1. Die deutsche Version ist ja auch ganz ansehnlich :D Und selbst ausprobieren ist gut, das Buch ist ja auch nicht doof oder langweilig, nur eben nicht so tiefgründig, wie ich es gern gehabt hätte. Bin mal gespannt, was du dazu sagen wirst :)

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  4. Der Showdown am Ende war wirklich mau. Ich meine so seitenlange Autorennbeschreibungen kann ich auch nicht gebrauchen, aber allein mit dem "Vorspiel" (als Heather plötzlich in DEM Auto sitzt) hätte man den Leser noch viel mehr quälen können.

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    1. Jaaaaa eben! Einfach noch ein bisschen ausbauen, dass man auch wirklich mitfiebert und nicht kurz blinzelt und schon ist alles vorbei :/

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  5. Hui, da hab ich mir ehrlich gesagt auch ein bisserl mehr erwartet :-/
    Sehr schöne, ehrliche Rezension! :o)

    Liebe Grüße aus Down Under!
    Nana :o)

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    1. Ja, ich leider ja auch :/ So empfehlenswert ist es leider wirklich nicht.

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  6. Ein neues Lauren Oliver Buch!! Ich glaube bei uns erscheint es bei Carlsen. Ich werde es auch jeden Fall lesen, wie alle Bücher, die hier von der Autorin erschienen sind, auch wenn du vom Ende etwas enttäuscht warst. Ist Panic eigentlich ein Einzelband?
    LG,
    Damaris

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    1. Ja genau, bei Carlsen kommt es bald raus und es ist ein Einzelband. Vielleicht gefällt es dir ja besser, viel Spaß beim Lesen!

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  7. Hach ich weiß nicht. Bisher mochte ich kein Buch so wirklich von Lauren Oliver und habs im Gefühl, dass ich mit diesem hier auch nicht viel glücklicher werde. Ich hab noch "Wenn du stirbst bla" von ihr hier, bei dem ich gehört habe, dass es noch ihr bestes Buch sein soll. Vielleicht schau ich danach mal ;)

    Liebe Grüße,
    Tina

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    1. Welche hast du denn bisher gelesen? Delirium? Ich fand "Wenn du stirbst..." auch am besten von ihr, aber man muss mit der schwierigen Protagonistin erstmal warm werden, finde ich. Viel Spaß damit auf jeden Fall, falls du es probieren solltest :D

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