[Rezension] Paola Predicatori - Der Regen in deinem Zimmer

grass-harp | Donnerstag, 24. April 2014 | / / / |
Belletristik, Jugendbuch - goodreads
eBook, 228 Seiten; Aufbau Verlag

Alessandras Mutter ist gestorben. An Nierenkrebs, nicht einmal zwei Jahre nach der Diagnose. Jetzt muss Alessandra wieder zurück in die Schule, aber sie hat keine Lust mehr auf ihre bisherigen Freundinnen, die nur Mode und Jungs im Kopf haben. Sie will einen Strich ziehen, demonstrieren, dass sie nicht mehr dazugehört und bloß kein Mitleid von den anderen. Deshalb setzt sie sich in die letzte Reihe, neben einen Jungen, den alle nur Zero nennen. Zero, weil er selten etwas sagt, sich von seinen Mitschülern fernhält und nie seine Hausaufgaben macht. Zerolandia nennt Alessandra ihren Tisch fortan, der Ort, an dem sie ihren Gedanken nachhängen kann und an dem sie dem stillen Jungen neben ihr Stück für Stück näher kommt.

Paola Predicatori beschreibt Alessandras Geschichte in einer melodiösen Sprache. Sie benutzt viele schlichte Formulierungen, aber die Sätze klingen nie einfach – sondern lediglich aufs Wesentliche heruntergebrochen. Mir fiel es dadurch ausgesprochen leicht, mir die Umgebungen vorzustellen, in denen Alessandra sich bewegt. Noch viel präziser werden dadurch aber ihre Gefühle, die, obgleich Alessandra nur selten darüber spricht, einem auf jeder Seite entgegenspringen. Viele Szenen und Dialoge werden dabei nur nacherzählt, was ich anfangs etwas verwunderlich fand – dann aber umso angenehmer, weil man eben nur das Wichtigste aus diesen Szenen erfährt und nicht lange mit Herumgeplänkel aufgehalten wird.
Was wird aus den Menschen, die nicht mehr da sind? Das, was war, oder all das, was es nicht gab?
Die Handlung wird immer wieder von Abschnitten unterbrochen, in denen sich Alessandra ausschließlich an ihre Mutter erinnert. Mal sind das nur Erinnerungsfetzen, dann wieder längere Abschnitte aus ihrer Vergangenheit – bei beiden wird aber jedes Mal deutlich, was für ein riesiges Loch jetzt in Alessandras Leben herrscht, wo ihre Mutter überall fehlt und vor allem wie sehr sie ihr fehlt. Besonders diese Abschnitte fand ich sehr berührend, zum Beispiel wenn sich Alessandra an diese ganz besondere Art von tröstender Umarmung ihrer Mutter erinnert. Die Autorin beschreibt die Abwesenheit in vielen Kleinigkeiten und Details und das macht diese Szenen besonders authentisch.

Ebenfalls sehr berührend waren für mich die Szenen mit Zero. Man lernt ihn nur ganz langsam kennen (und besonders zum Ende hin habe ich mir gewünscht, noch ein wenig mehr über ihn zu erfahren), genauso wie Alessandra. Im Grunde genommen unterhalten sich die beiden auch sehr selten, ihre Interaktionen sind meistens eher ein gegenseitiges Verstehen und füreinander Dasein. Und das voller Zärtlichkeit, sodass mir jedes Mal das Herz aufging.

„Der Regen in deinem Zimmer“ ist ein absolut empfehlenswertes Buch, welches mich total überrascht hat. Gerade wenn man eine ruhige, liebevolle Geschichte lesen möchte, dann liegt man hiermit ganz richtig.

Kommentare:

  1. Schöne Kritik =) Ich bin froh, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat. Ist definitiv ein Kandidat für einen ReRead... irgendwann ;)
    Laut GR hat die Autorin noch ein Buch, das aber noch nicht übersetzt wurde. Und es scheint auch ehr ein Kinderbuch zu sein.

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    1. Ja, ich will mir das auch unbedingt noch für's Regal besorgen und an einem grauen Regentag noch einmal lesen.
      Ach schade. Hoffentlich kommt da noch etwas Richtung Jugendbuch/Belletristik, was dann auch übersetzt wird.

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  2. Das klingt nach einer sehr schönen und bewegenden Geschichte.
    Danke fürs Vorstellen. Ich werde es direkt mit auf meinen Wunschzettel packen :)
    Liebe Grüße ♥
    Nora

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    1. Ja, das ist es wirklich. Hoffentlich gefällt sie dir genauso gut, viel Spaß damit :)

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  3. Und die Wunschliste wächst und wächst und wächst... xD Klingt toll, muss ich haben!

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