[Rezension] Kai Meyer - Phantasmen

captain cow | Sonntag, 20. April 2014 | / / |
Paranormales, Apokalypse - goodreads
Hardcover, 398 Seiten; Carlsen Verlag
Eines Tages sind sie einfach erschienen. Die Geister. Jeden Tag werden es mehr – sie stehen da, bewegungslos, leuchtend, scheinbar ungefährlich. An der Absturzstelle eines Flugzeugs, mitten in Europas einziger Wüste, warten zwei junge Mädchen darauf, dass die Geister ihrer Eltern auftauchen. Rain hofft, diese Reise könnte ihrer Schwester Emma helfen, Abschied zu nehmen. Auch Tyler ist hierhergekommen, um seine große Liebe Flavie noch einmal zu sehen. Schließlich tauchen die Geister auf. Doch diesmal lächeln sie. Und es ist ein böses Lächeln.
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Wenn Kai Meyer eins kann, dann ist das spannende Geschichten mit ungewöhnlichen Kreaturen zu schreiben. „Phantasmen“ ist da ein Paradebeispiel. Denn in dem Buch bevölkern Geister die Erde – sie tauchen überall dort auf, wo in den vergangenen Tagen und Monaten Menschen gestorben sind und machen nichts, außer sich mit der Sonne zu drehen. Bis zu einem Tag, an dem sie plötzlich anfangen zu lächeln – und damit eine Welle von Menschen in den Tod reißen.

Aus Rains Perspektive irrt man durch diese seltsame Welt voller Geister und erlebt Schlag um Schlag mit, wie es immer gefährlicher wird und mehr mysteriöse Dinge passieren. Wirklich nah war ich ihr dabei nicht, auch wenn man besonders zur Mitte des Romans einiges über sie erfährt. Viel interessanter fand ich da ihre kleine Schwester Emma, die ziemlich abgeklärt ist, viel nachdenkt und immer etwas unkonventionell und doch sehr vernünftig handelt. Dieses Zweiergespann war eine echt tolle Mischung, deren Geschichte mich sehr mitgerissen hat. Dennoch sollte man bei dem Roman nicht erwarten, dass der Fokus auf Entwicklung und Vielschichtigkeit der Figuren liegt. Die Spannung und Handlung stehen da weit mehr im Vordergrund.

Und die haben es wirklich in sich. Mit Innehalten und Lesepausen machen war da nicht viel, denn sobald eine Frage beantwortet ist, stellen sich einem schon gleich wieder drei neue. Die Idee ist so originell, dass ich auch gar keine richtigen Vermutungen anstellen konnte. Mit Vorhersehbarkeit war da also auch nichts. Und besonders zur zweiten Hälfte des Romans hin nahmen die Gänsehautmomente immer weiter zu. Durch die Geister gewinnen viele Szenen eine total schaurig-schöne Vergänglichkeit.

Etwas schade finde ich die Begründung hinter diesem Geisterphänomen. Da hat mir die Logik hinter dem ganzen gefehlt oder einfach die Zeit, um die wenigen Fakten, die man geliefert bekommt, verdauen zu können. Es muss ja nicht immer alles aufgelöst werden. Vor allem, wenn sich die Figuren in einer Apokalypse befinden, ist es nur realistisch, dass sie nicht über alle Gründe informiert sind. Aber etwas mehr als eine beiläufige Bemerkung hätte schon sein können. Ich fand es als Leser etwas unbefriedigend, nicht richtig aufgeklärt zu werden.

Ansonsten aber mal wieder ein rasanter, fantasievoller Roman aus der Feder Kai Meyers, den ich gerne gelesen hab und an alle Fans weiterempfehlen kann. Ich bin gespannt, was der werte Herr noch so aus dem Hut zaubern wird.

Kommentare:

  1. Originalität, Unvorhersehbarkeit & Gänsehautmomente. Hört sich ganz nach Kai Meyer an. ok gruselig normalerweise nicht, aber wenn ich meine Prioritätenliste einigermaßen abgearbeitet habe, landet es im Bücherregal...oder ich setze es gleich auf die Liste :D

    Liebe Grüße,
    Bramble

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    1. Jaaa ja ja :D Setz es ruhig drauf! Vielleicht nimmst du es auch gar nicht als so gruselig wahr, ich bin da nämlich ziemlich empfindlich. Empfehlen kann ich es dir aber trotzdem :D

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  2. Klingt interessant! Habe einen Kai Meyer im Regal ("Der Rattenzauber"), ihn aber noch nicht gelesen da ich bisher nur kritisches oder mittelmäßiges über ihn hörte.
    "Phantasmen" klingt aber wirklich interessant und spannend, werde es mir mal auf die Wunschliste setzen.

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    1. Hui echt? Das wundert mich ein bisschen - kenne zwar auch einige, die ihn nicht so mögen, aber generell auch viele, die seine Bücher ziemlich toll finden. Also probier es ruhig mal aus. Empfehlen kann ich von ihm auch die "Arkadien"-Reihe, falls du es mal mit einer Reihe von ihm probieren willst.

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    2. Habe wohl nur Leute im Umkreis die ihn nicht mögen *lach* Aber das obere Buch interessiert mich wirklich, werde es mir sicher zulegen (und auch lesen). Und danke für die andere Tipps, ich schau gleich mal nach :)

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  3. Hallo Du, eine schöne, aussagekräftige Rezension. ich möchte das Buch auch noch lesen und bin mal gespannt wie es mir dann gefällt. Lg Petra www.papierundtintenwelten.blogspot.de

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  4. Ach Mensch, mich ärgert das Buch im Nachhinein. Die Idee ist so gut. Mir wäre es fast lieber, er hätte sie mit leicht klischeehaften Figuren gefüllt, mit denen man dann wenigstens mitfühlen kann und nicht mit so komplett entfernten Sonderfällen. Entweder oder, beides zusammen hat hier irgendwie nicht funktioniert :/

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    1. Das ist echt ärgerlich :/ Der durchschnittlichste von denen war ja irgendwie Tyler, aber von dem bekommt man am wenigsten mit, hatte ich das Gefühl :/

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    2. Stimmt, der war schon wieder so durchschnittlich, dass man rein gar nichts über ihn wusste. Ich hätte echt so richtig schön mitfiebern können in dieser gruseligen Kulisse, wenn die Figuren mich interessiert hätten.

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  5. Mit Rain konnte ich auch nicht so viel anfangen, aber das hat mir jetzt irgendwie nicht so viel ausgemacht, weil es ja Emma gab. Für mich ist sowieso eigentlich Emma die Hauptperson der Geschichte. Ich finde es einfach klasse, dass sie Autistin ist, was sie zum einen einfach super interessant und ungewöhnlich macht, zum anderen daraus aber überhaupt keine große Sache gemacht wird.

    Im Großen und Ganzen war es mir fast ein bisschen zu viel Action. Ich hätte ab und an auch gerne mal eher eine Atempause gehabt, in der sich die Charaktere miteinander und mit dem Phänomen auseinandersetzen - und die mir die Zeit gibt, mir diese Situation mal richtig vorzustellen. Die gab es zwar schon, hätten meiner Meinung nach aber ein bisschen mehr Raum haben können. Aber wie du schon richtig sagst, ist das so eigentlich realistischer. Wenn die Welt untergeht, bleibt keine Zeit zum Plaudern. Nur leider ist mir da eben ein bisschen was vom Gruselfaktor verloren gegangen, da ich nie so recht die Zeit hatte, mich so richtig in die Situation zu versetzen und mir das mal selbst vorzustellen.

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    1. Ja, das stimmt, Emma steht da weitaus mehr im Mittelpunkt. Ich fand sie auch super interessant und manchmal waren ihre Kommentare einfach so genial trocken x)

      Das ist ärgerlich, ich kann verstehen was du meinst :/ Ziemlich schade, wenn man da gar nicht so richtig ankommen kann. Ich war ein bisschen gezwungen, zwischendrin eine Pause zu machen, als wir weggeflogen sind und nur Handgepäck mitnehmen durften; da passte so ein Hardcover einfach nicht mehr mit rein. Da konnte ich mir das ganze dann ein bisschen besser ausmalen und beim Weiterlesen war es dann toll. Aber solcher Raum in der Geschichte wäre natürlich auch gut.

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